Ausblick
Für Wissensgemeinschaften ist die Kommunikation ein entscheidender Faktor (vgl. Wenger 1998, North 2004, Lembke 2005, u.a), der zur Entwicklung und zum Erfolg einer CoP wesentlich beiträgt. Die Entscheidung inwiefern Online Kommunikation und somit auch Social Software unterstützend genutzt werden kann, wird zuerst einmal durch die Wissensgemeinschaft bzw. ihre Mitglieder selbst bestimmt. Nur wenn die mitwirkenden Personen von den Vorteilen der Nutzung überzeugt sind, werden vorhandene Kommunikationsmöglichkeiten auch angenommen.
Die technische Funktionsfähigkeit und Stabilität der Informationsarchitektur muss gewährleistet sein, damit die Misserfolge bei der Nutzung von Social Software möglichst gering gehalten wird. Dies ist einerseits wichtig, da die Fertigkeiten und auch die Kenntnisse um Social Software zumeist noch nicht bei den potentiellen NutzerInnen vorhanden sind. Die Informationsarchitektur muss nicht nur auf Funktionalität sondern auch auf Usability Wert legen. Der Zugang und die Nutzung muss einfach, intuitiv und zeitsparend sein.
Das Interesse an der Nutzung lässt sich durch ein entsprechendes Schulungsangebot steigern. Durch erste erfolgreiche Pilotprojekte mit jenen
Gruppenmitgliedern, die als „Early Adopters“ (Döring 2003 S 9) an innovativen online Entwicklungen interessiert sind, lassen sich erste Erfahrungen von Gruppenmitgliedern gewinnen, die zur Akzeptanz in der Gruppe und zur Steigerung des Interesses beitragen. Gleichzeitig sind jene „Early Adopters“ als Mitglieder der Wissensgemeinschaft auch bereit eigeninitiativ ihre Erfahrungen in der Gruppe weiterzugeben und weitere Mitglieder bei der Nutzung zu unterstützen. Wirklich erfolgreich für die Wissensgemeinschaft selbst ist die Nutzung von Social Software erst wenn sich eine ausreichende Anzahl der Gruppenmitglieder beteiligt.
Selbst wenn das Angebot einer passenden, funktionsfähigen und stabilen Informationsarchitektur vorliegt und auch das Interesse von Gruppenmitgliedern geweckt werden konnte, gilt es ausreichend auf die Medieneinstellung der Mitglieder Rücksicht zu nehmen und weiterhin Face To Face Kommunikationsmöglichkeiten in ausreichendem Umfang zu erhalten. Die Geschwindigkeit der Weiterentwicklung und des Angebotes von Social Software muss sich an der Mehrheit der Gruppe orientieren, da ansonsten ein „digital devide“ innerhalb der Wissensgemeinschaft zu erwarten ist, der eher hinderlich denn förderlich ist.
Eine Implementierung von Social Software und die damit einhergehende
Entwicklung der Mitglieder und auch der Wissengemeinschaft selbst könnte
ausgehend von den empirischen Ergebnissen der ARGE „wiener radiobande“ folgendermaßen skizziert werden (zur Vergrößerung Grafik anklicken):
Die Entwicklung der CoP ARGE „wiener radiobande“ wird durch zwei Faktoren wesentlich unterstützt: Die zur Verfügung stehende Informationsarchitektur ( schraffierter Bereich in der Skizze) und das für die ARGE relevante Schulungsangebot (grauer Bereich).
Die Dauer der Phasen wird durch die Entwicklung der CoP (vgl. Kapitel 4) und die zur Verfügung stehenden Ressourcen bestimmt.
Phase 1:
In Bezug auf die Wissensgemeinschaft „ARGE radiobande“ besteht die
Möglichkeit auf bereits vorhandene und bekannte Softwaretools aufzubauen: Die Online Archivierung mittels SOTF gibt automatisiert einen RSS und Podcast Feed aus. Das Archiv ist den Mitgliedern bekannt, die aktive Nutzung wird teilweise bereits praktiziert. Fortbildungsveranstaltungen mittels dem LMS „Moodle“ sind ebenfalls schon verwendet worden. Eine Unterstützung durch institutionelle Schulungsangebote im Umgang mit Social Software in Form von Blended Learning mit „Moodle“ wäre sicherlich förderlich. Dieses Angebot gilt es schrittweise mit konkreten Umsetzungen auch auf den Unterricht zu erweitern. So besteht die Möglichkeit die eigenen Produktionen mit SchülerInnen im Online Archiv zu speichern und zu beschlagworten, kommentierte Linksammlungen mit Social Bookmarking auf Mr.Wong zu erstellen, themenbezogene Literatur z.B. auf librarything.com zu archivieren.
Die bisher bereits bewährten ARGE Treffen sollten beibehalten werden. Durch die Methode des Blended Learning (Online/Face to face) werden zusätzliche Termine zur persönlichen Begegnung angeboten und ein begleiteter Einstieg in die Online Kommunikation möglich.
Phase 2:
Mögliche Nutzungen von Weblogs sind Projektweblogs im Unterricht begleitend zur Sendungsproduktion. Für die ARGE selbst kann entweder ein eigenes Weblog oder ein Mashup unter Einbindung der Projektweblogs und des Online Archives eingerichtet werden. Durch die Vergrößerung der Mitgliederzahl der ARGE sowie die Einführung des Weblog als zusätzliches Kommunikationstool steigt der Schulungsaufwand vorübergehend an. In weiterer Folge könnte das Wissen und die Erfahrungen der Community den Content für ein spezielles Wiki zur Radioarbeit in der Schule bilden.
Phase 3:
Durch die gegenseitige Unterstützung innerhalb der Gruppe ist ein Absinken des organisierten institutionellen Schulungsangebotes zu erwarten. Es gilt nun vor allem ein Augenmerk auf die Qualität der Inhalte zu legen und damit auch die Community zu verankern. Die auf diese Weise explizit gemachten Erfahrungen bieten sich als Kontaktpunkt für neue InteressentInnen an, wodurch es zur quantitativen aber auch qualitativen Weiterentwicklung der Community kommen kann.
Abschliessend kann festgehalten werden, dass Social Software geeignet ist, die Entwicklung und Kommunikation von Wissensgemeinschaften im Schulbereich zu unterstützen. Es wird daher empfohlen, entsprechend der Konzeption stufenweise Social Software auch bei der ARGE „wiener radiobande“ zu implementieren.
