„Wiener Radiobande“

Ein Blick zurück in die Anfänge des Projektes

1995 trafen sich auf Einladung von media wien, der Fachdienststelle der Stadt Wien, zwei Schülerradiogruppen aus Kärnten (HS Dellach und HS Winklern) mit einer Wiener SchülerInnengruppe (HS Loquaiplatz), um im Rahmen eines
dreitägigen Workshops mit dem Titel „Ohrenweide“ gemeinsam eine
Magazinsendung zu produzieren. Nun das mit dem Abspielen im Radio war 1995 noch nicht so einfach. Einziger legaler Sender war der ORF und dort war dasInteresse an Sendungen von SchülerInnen nicht sehr groß. Es gab gerade mal einen Bericht über den Workshop und ein paar kurze Ausschnitte aus der von den Kindern produzierten Sendung. Die Sendung wurde auf Kassetten vervielfältigt und so von Klasse zu Klasse und von Schule zu Schule weitergereicht. Einem ersten Aufruf zur Nutzung des
Mediums im Unterricht folgten an die 20 Wiener LehrerInnen und bildeten eine Arbeitsgruppe. media wien stellte das technische Equipment und logistische Unterstützung zur Verfügung. AktivistInnen der „Pressure Group Radio“, die für einen Offenen Zugang zum Medium plädierten, boten Betreuung und Unterstützung bei der Produktion an. Die „radioBANDe“ war als Projekt und als übergreifende Arbeitsgruppe gegründet. In den folgenden Monaten erfolgte die Produktion von Hörspielen, Magazinsendungen aber auch Experimentellem im Rahmen des Unterrichtes. Die Kinder und auch die LehrerInnen lernten die
nötigen Grundkenntnisse, um mit dem Medium „Radio“ über Projekte oder auch Themen, die im Unterricht bearbeitet wurden, zu berichten. So richtig los ging es 1998 durch den Sendestart der Freien Radios in Österreich.
„Es ist soweit: Die Radiolandschaft in Österreich bekommt bunte Flecken. Seit Montag, den 17. August 1998 um 0:00 Uhr ist „Orange 94,0“ – das freie Radio in Wien – auf Sendung (UKW 94,00 MHz). Eine Premiere für die österreichische Medienlandschaft. Im September folgte Radio FRO in Linz. Demnächst startet MORA- das mehrsprachige Radio im Burgenland. Noch im Herbst soll AGORA zweisprachiges Programm in Kärnten bieten. Gemeinsam ist all den genannten Sendern, dass es nicht ums Geldverdienen gehen soll, sondern das Radio als Medium zur Artikulation der Menschen dienen soll. Sie nennen sich „Freie Radios“ , obwohl sie genau den gleichen ökonomischen Zwängen ausgesetzt sind. „Frei“ soll allerdings der Zugang zum Radio sein. Aus HörerInnen werden RadiomacherInnen. Das bedeutet auch, dass der erste wirkliche programmatische Kontrapunkt zu den großteils austauschbaren kommerziellen Stationen gesetzt wird.“ (Berger 1998, S 3)
Was wurde nicht alles im Laufe des nunmehr 10 jährigen Bestehens von
Schulklassen mit dem Medium ausprobiert. Die verschiedensten Themen wurden aufgegriffen. Von Liebe und Karate, von alten Dichtern und jungen Rappern, von Küssen und Computerspielen, vom Klassenprojekt bis zum Kinderparlament, vom Hörspielkrimi bis zur Märchenerzählung, von Geräuschejagden über Interviews mit alten Menschen oder auch erfundenen Figuren ist alles Mögliche und Unmögliche zu hören. Es gab Radiogruppen, die direkt vom Segelschiff in der kroatischen Adria über die „Mirno More Friedensflotte“ berichteten. Eine inhaltliche aber auch technologische Herausforderung. Andere haben Sendungen gemeinsam mit Partnerschulen in verschiedenen europäischen Ländern erstellt.
Die „FonBox“ sammelte via Telefon und Handy Statements über Schule und
Freizeit, die dann wiederum Teil von Sendungen wurden. Die Koordination und Unterstützung seitens media wien war auf die jeweiligen
Produktionsgruppen abgestimmt. Völlige Autonomie der Produktionsgruppen bei der Wahl des Themas, jedoch Unterstützung bei der formalen Aufbereitung seitens der unterstützenden Institution, führte zur gewünschten Vielfalt und vor allem zur Identifikation der SchülerInnen mit der Produktion. Wichtig ist dabei, dass sich alle Mitwirkenden im Produktionsprozess einbringen konnten und ihre Aussagen durch die Sendungsgestaltung nicht entfremdet wurden.
Wie entstehen diese unterschiedlichen Beiträge? Genauso unterschiedlich, wie die Gruppen in ihrer Zusammensetzung und Herkunft sind. Es gibt SchülerInnen, die beginnen in der Volkschule mit Radioarbeit und sind beim Austritt aus der Hauptschule immer noch aktiv dabei. Manche Schulen haben eigene Radiogruppen im Rahmen unverbindlicher Übungen oder direkt eingebunden in Unterrichtsfächern mit eigenem Equipment zur Produktion. Diese Gruppen arbeiten oftmals länger an einer Produktion und haben auch schon viele journalistische und pädagogische Preise dafür erhalten. Die meisten kommen jedoch mit ihrer Klasse zu einem 3 Stunden Workshop ins Radiostudio im media wien-medienatelier, um hier vor Ort eine ca. 15 minütige Sendung zu produzieren. Die Rahmenbedingungen sind je nach Schule, LehrerIn aber auch regional innerhalb Wiens sehr unterschiedlich. Ist es in einer Schule möglich, Stunden für
eine „Unverbindliche Übung“ oder einen schulautonomen Schwerpunkt zu
reservieren, so kann es in einer anderen Schule aufgrund mangelnder
Personalressourcen bereits ein Problem sein, mit der ganzen Klasse einen
Lehrausgang zu organisieren. Die Unterstützung der engagierten LehrerInnen innerhalb ihres Kollegiums oder durch die Leitung ist ebenso wichtig wie unterschiedlich. Raumangebot, Lehr- und Lernmethoden in der Klasse, Entwicklungsstand und Alter der SchülerInnen, deren Herkunft und
Muttersprache sind nur einige weitere Faktoren, die individuell bei der Planung von medienpädagogischen Projekten und der Betreuung zu berücksichtigen sind (vgl. dazu auch Lauffer et al., 2006, Bloech et al., 2005).
Einige Schulgruppen können auf Infrastruktur zur Radiproduktion an der Schule zurückgreifen. So finden die Produktionen der „radiobande loquaiplatz“ im Rahmen von schulautonomen Schwerpunktstunden und Unverbindlichen Übungen statt – die Themenfindung ist aber zumeist in anderen Unterrichtsstunden eingebettet. Nicht nur die Zeit, sondern auch die technische Ausstattung ist an der Schule vorhanden. Ein Klassenraum konnte zum Studio adaptiert werden und im Rahmen einer Ausstattungsinitiative der Stadt Wien erhielt die Hauptschule auch die nötigen Geräte. Neben Sendungen für die on air Ausstrahlungen wird auch ein schulinternes Indoor Radio angeboten. SchülerInnen oder auch LehrerInnen können sich zur Gestaltung des Radioprogramms in der großen Pause anmelden. Hörbar ist das Live Programm über Lautsprecher, die in den einzelnen Klassen montiert sind, aber auch ausgeschaltet werden können.
Viele Gruppen kommen zu einem Workshop ins media wien-medienatelier. Vor allem jene, die noch nie mit dem Medium gearbeitet haben, keine Erfahrung mit Methodik oder Technik haben, nehmen das Angebot wahr, innerhalb von 3-4 Stunden eine 15 minütige Sendung zu produzieren. Diese Erfahrungen veranlassen manche LehrerInnen und SchülerInnen doch regelmäßiger im Rahmen der „wiener radiobande“ aktiv zu werden. Für die Zusammenarbeit und den Erfahrungsaustausch gibt es regelmässige Treffen (3-4 pro Schuljahr) für LehrerInnen im Rahmen der Arbeitsgemeinschaft, die allen interessierten offen stehen.

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